Maurermeister ohne Meisterschule, eigene Erfahrungen

Maurermeister ohne Meisterschule. Eigene Erfahrungen, wo mir mit Sicherheit Leute recht geben würden, die ähnliches erlebt haben.



Maurermeister Ausbildung

Noch während der Technikerschule hatten wir Schüler die Möglichkeit in der Abendschule, die ein halbes Jahr dauern sollte zusätzlich zum staatlich geprüften Techniker auch den Meistertitel zu erwerben. Heute bereue ich das ohne Ende, dass ich das nicht gemacht habe. Ich bin ja so ein Idiot gewesen, dass ich das nicht gemacht habe, weiß ich heute.

Naja, vor ein paar Jahren haben die Handwerkskammern die Zulassungen zur Meisterprüfung geändert. Man kann auch ohne den Besuch der Meisterschule die Prüfung zum Meister absolvieren, was mich wirklich freute.

Ohne die Meisterschule jemals besucht zu haben, hatte ich mich zur praktischen Prüfung zum Maurermeister in der Meisterschule angemeldet. Man sagte mir nicht vorher, was alles bei der praktischen Prüfung dran kommen könnte. Gut, man zeigte mir am Samstag vor der Prüfung, welche Schalungen und welches Mauerwerk man evtl. machen sollte.

Doch was mich sehr wunderte, die praktische Prüfung in der Meisterschule, da wollte ich Maurermeister und Betonbauermeister werden, die sollte 6 Tage lang dauern. Zwei Teile der Meisterprüfung bekam ich befreit und zwar, die technische Prüfung, weil ich schon Techniker bin und den kaufmännischen Teil, weil ich den Abschluss Technischer Betriebswirt auch habe. Aber dass man in der praktischen Prüfung zum Maurermeister auch noch die Treppenabwicklungen oder Dachdurchdringungen vom Kamin durch die Dachhaut zeichnen sollte, das sagte mir vorher keiner.

Die Schüler, die 2 Jahre in der Meisterschule sind, die werden mit absoluter Sicherheit gerade auf diese Prüfungen getrimmt. Hätte ich da wenigstes einen Anhaltspunkt gehabt, was da in der Theorie in der praktischen Prüfung zum Maurermeister dran kommen könnte, dann hätte ich das auch alleine geübt. So hätte Chancengleichheit geherrscht. Jedenfalls, als wir da in dem Klassenzimmer saßen, jeder am Zeichentisch, da sagten die Prüfer, dass heute eine Dachdurchdringung vom Schornstein gezeichnet werden solle. Mit Detailpläne, dass war die Anforderung. Und was macht der einer der 3 Prüfer, der hat sonst nichts besseres zu tun, als die ganze Zeit neben mir zu stehen, um mein Vorankommen der Zeichnung zu begutachten.

Auf einmal, während der Prüfung sagt der doch zu mir: Von Ihnen würde ich mir nie eine Kaminabdichtung machen lassen. Ich verstand überhaupt nicht was der meinte. Zudem erfuhr ich jetzt von einem Elektromeister das das ein Prüfer während der Meisterprüfung gar nicht machen darf, einen Schüler ansprechen mir nichts dir nichts. So und jetzt kommt´s, dann soll der doch mal zu dem Kunden kommen, dem ich da vor ein paar Jahren die Kamineinfassung gemacht habe. Der Bauherr sagte zu mir, er hätte schon so viele Fachfirmen da gehabt und keiner hätte den Kamin dicht bekommen. Mich wunderte das nicht. Für so einen großen Querschnitt von einem Kamin, da gab es nämlich keine vorgefertigten Kamineinfassungen.



Die Dachdecker, die hatten dem immer nur den Kamin mit Dachdedckermörtel abgedichtet. Ich habe das alles weg gemacht und den Kamin mit Blei abgedichtet. Der Bauherr, bei dem läuft an seinem 1,25 Meter breiten Kamin mit Sicherheit kein Wasser mehr in das Dachgeschoss. Und wenn die meinen, ich komme da nochmal hin um die Prüfung ein zweites mal zu machen, da haben die sich geschnitten. Da würde ich lieber meine Wohnsitz nach Frankreich verlegen, damit ich als Bautechniker in Deutschland ausschließlich Rohbauarbeiten machen könne. Aber ehrlich gesagt, dass will ich jetzt gar nicht mehr. Nach der praktischen Prüfung, ich war mit unter 50 erreichten Punkten durchgefallen, da sagte mir ein anderer Prüfling, dass er schon zum Dritten mal die praktische Prüfung wiederholen würde, man ließe ihn einfach immer durchfallen, weil er eben genau wie ich auch, nicht in die Meisterschule gehen wollte. Die lassen keinen beim ersten mal die Meisterprüfung bestehen, wenn man da nicht die 2 Jahre in der Meisterschule war, die wollen Geld verdienen, sagte er zu mir. Wenn ich dann 3 mal die Prüfungsgebühr bezahlt habe, dann geben die mir den Titel oder wie?

Ich bekam von einem Amt keinerlei Unterstützung, habe alles aus eigener Tasche finanziert. Bin zusätzlich noch in die Abendschule für die Ausbildereignungsprüfung gegangen. Das ist typisch Deutsch. Ich wollte nicht die Meisterschule besuchen, weil ich erstens, von mir und dem was ich leisten kann so überzeugt war und zweitens weil ich auch noch Geld für meinen Lebensunterhalt verdienen wollte.

Es gibt Baufirmen in Deutschland, wenn da ein Maurer gute Leistungen bringt, dann machen die einen Vertrag, damit man nach der Meisterschule noch ein paar Jahre für die Firma arbeitet, wenn man die 2 Jahre Schule bezahlt bekommt. Da braucht man aber eine gute Baufirma.

Wenn ich als Bautechniker hin gehe und ausschließlich Rohbauten erstellen wollte, dann dürfte ich das in Deutschland nicht machen außer ich habe einen Maurermeister als Angestellten oder ich bin ein Franzose. Mein Opa, der hatte einen französisch klingenden Namen, das reicht aber nicht, wenn die Urahnen aus Frankreich stammen könnten. Ein Kaufmann gründet ein Baugeschäft, gibt einem Maurermeister, der schon lange in diesem Handwerk nichts mehr macht jeden Monat etwas Geld als Bezahlung, damit der als Konzessionsträger wirkt. Und schon kann es los gehen ob die Ahnung von bauen haben oder nicht, das spielt dann keine Rolle mehr. So und wo kommen die vielen Baufehler in der Praxis her? Und warum gibt es immer Restarbeiten und Baumängel, die man nicht beseitigt? Das und noch viel viel mehr, kann ich Ihnen aus der Baupraxis sagen.

Die Möglichkeit den Maurermeister noch zu machen, die habe ich ja immer noch. Das halte ich mir offen. Wenn ich da mal wieder Langeweile habe und zuviel Geld, dann mache ich das vielleicht noch mal. Wenn die aber wissen, dass ich auch im Internet eine Seite zum Thema Hausbau habe, dann wären die Anforderungen der Prüfer gerade an mich bestimmt besonders hoch. Also lasse ich das doch lieber gleich bleiben. Zum Schluss muss ich aber noch eingestehen, das üben vom Mauerwerk bei der praktischen Prüfung, dass hatte ich nicht nochmals geübt, dachte das brauche ich nicht, weil ich ja Maurer bin (habe das bei meiner zweiten Ausbildung erlernt). Doch wenn man schon beinahe 15 Jahre nicht mehr mit den kleinformatigen Mauersteinen gemauert hat, dann hat man es nicht leicht, nach den ersten drei Schichten Mauerwerk auf die erforderliche Höhe von 25 Zentimeter zu kommen. Wo in der Baupraxis, werden noch solche Mauerpfeiler gemacht? Das macht man heute mit Stahl oder Stahlbeton, dass ist viel wirtschaftlicher. Die sollten besser wirtschaftliches bauen und technisches Verständnis abprüfen, dass wäre viel sinnvoller. Besonders wenn da einer kommt und schon diese ganzen zeichnerischen Prüfungen als Techniker abgelegt hat und auch schon in der Praxis Baueingabe- Werk- und Detailpläne sowie Leistungsverzeichnisse, Ausschreibungen, und Abrechnungen beim Bauträger oder irgendeinem Architekten oder Bauunternehmen gemacht hat. Soll doch der Prüfer erst mal unter Beweis stellen, dass er noch in der Lage ist, den Titel zu bekommen, das hat ja keinen Sinn sich darüber überhaupt noch Gedanken zu machen, das ist Zeitvergeudung.

Zum Schluss noch die Anforderungen für die Zulassung zur Meisterschule: Weil ich Fahrkosten sparen wollte und weil ich das schon vorher ahnte, dass ich es in dieser Meisterschule nicht leicht haben werde, so dachte ich, es wäre am besten die Meisterprüfung in dem Bundesland Baden-Württemberg abzulegen. Doch weil ich nur 2 Jahre als Maurergeselle in einer Baufirma gearbeitet hatte so bekam ich dort nicht die Zulassung zur Meisterprüfung. In dem anderen Deutschen Bundesland reichten 2 Jahre völlig aus.

Und jetzt, weil ich die Zulassung zur Meisterprüfung in dem anderen Bundesland bekam, wo ich in der praktischen Prüfung zum Maurermeister durchgefallen bin, da bekomme ich die Zulassung für die Meisterprüfung in Baden-Württemberg, wo ist das die Logik? Jetzt frage ich mich bereits, wie das später ist, wenn ich da die Idee bekommen sollte, ohne einen Besuch einer UNI, die Prüfungen zum Informatiker zu absolvieren. Oder einen sonstigen vergleichbaren Abschluss. Macht das einen Sinn?

Außerdem muss ich mich da immer noch fragen, warum man als Maurermeister die Kamineinfassungen machen soll, wenn es dafür auch Dachdeckermeister gibt. Ich kann auch den Abbund bei den Zimmermannsarbeiten machen und den Dachstuhl aufstellen, muss ich deshalb gleich Zimmerermeister sein?

Klaus, der Polier in der kleinen Baufirma wo ich Maurer gelernt hatte, der hatte es drauf, bei dem habe ich viel über das wirtschaftliche bauen gelernt. Beim Lui, dem anderen Polier, das einschalen und berechnen der Treppen. Der nächste hieß, ich weiß nur noch seinen Nachnamen, der war irgendwie ein grimmiger Kerl, so wie man sich einen Spießer als Jugendlicher eben vorstellt, bei dem habe ich alles darüber gelernt wie man Wände und Decken sowie Unterzüge einschalt. Wenn ich heute darüber nachdenke, mich an die Zeit zurück erinnere, wenn mich jetzt die Jugendlichen sehen, denken die bestimmt auch über mich, mein Gott, was für ein Spießer. Manchmal da hatten wir Baustellen mitten im Wald, der alte Bauwagen im Schatten von einem Baum. Die Hitze im August, die reifen Mirabellen und Zwetschgen, die Ruhe, die nur von einem Vogelgezwitscher unterbrochen wurde oder wenn wir die Kreissäge zum kreischen brachten, dass alle Wanderer erschrecken mussten. Das war eine schöne Zeit, wo ich froh bin, dass ich das gemacht habe. Damals wusste ich auch schon, dass der Beruf zum Maurer nur der Einstieg zu anderem sein sollte. Techniker werden, das war das nächste Ziel meiner Ausbildung. Und jetzt bilde ich mich selber weiter aber nicht für einen Lehrmeister oder die Schulen. In der Technikerschule hieß es von den Dozenten immer, man muss als Techniker wissen wo was geschrieben steht. Als Maurermeister, wenn man da eine Arbeit machen muss, was man eine längere Zeit nicht mehr gemacht hatte, da muss man auch wissen wo man das nachlesen kann. Ich muss auch noch nachlesen, wenn ich was länger nicht gemacht habe. Wer schreibt der bleibt!